Auf dem Weg nach Tiergarten zur Akademie der Künste am Hanseatenweg erwischt uns dann doch das seit Tagen angekündigte Gewitter. Die S-Bahn ist mal wieder unterbrochen, deshalb laufen wir entlang der Spree zur Friedrichstrasse. Als dicke Tropfen immer dichter werden sind wir gerade an der Unterführung am Monbijoupark, wo ein Didgeridoo-Spieler in Trance seine zeit- und endlosen Obertöne spielt. Mit einem Fuß betätigt er noch dazu Drums, auch eine Rassel kommt zum Einsatz. Die Akustik hier ist perfekt, der Regen wird immer stärker. Die Unterführung ist voller Menschen, die alle das Ende des langen Schauers abwarten, als der Musiker aus seiner Trance erwacht, zu spielen aufhört und sich sichtbar über die vielen Zuschauer wundert.

In Bellevue angekommen ist die AdK sehr gut besucht, denn es ist Dienstag Nachmittag. Der Eintritt ist frei. Viel Publikum drängelt sich vor den Portraitfotografien von Gisèle Freund, die die wichtigsten Literaten des letzten Jahrhunderts abgelichtet hat. Becket, Benjamin und viele andere, meist in schwarz weiß. Kolorierte Fotografien aus den 30ern stechen hervor, ebenso wie Aufnahmen aus Berlin aus den 50ern. Der Straußberger Platz wirkt etwa wie ein Acker, die beiden Türme der damaligen Stalinallee im Hintergrund. Von einem Brunnen noch nicht einmal etwas zu erahnen. Nach der Beseitigung der Trümmer herrscht überall in Berlin eine große Leere.

Corinne Wasmuth: Detail

Doch wir sind wegen der zweiten Ausstellung hier. Großformatige Malereien von Corinne Wasmuht, die dieses Jahr den jährlich von der Akademie vergebenen Käthe-Kollwitz-Preis erhalten hat. Ihre Malerei ist schwierig einzuordnen. Aus der Ferne, mit Abstand wirken ihre Bilder wie abstrahierte Fotografien. Linien, Lichteffekte, einzelne plastische Figuren und Elemente sind erkennbar. Aus der Nähe jedoch dominieren an impressionistische Malerei erinnernde Details. Tupfen und mit dem Cutter ausgeschnittene, vertiefte Reliefs verleihen ihrem Werk Tiefe und Dreidimensionalität. Einige ihrer konkreten, plastischen Figuren stehen wie bei Georg Baselitz auf dem Kopf, andere lösen sich im Abstrakten auf. Verschiedenen Ebenen erfordern genaues Hinsehen, der Aufbau scheint Layern bei Photoshop zu entsprechen. Doch hier ist alles mit dem Pinsel gemalt, detaillierte und präzise Handarbeit, die unser an digital bearbeitete Bilder gewohntes Sehen auf die Probe stellt.

Im Außenbereich der Akademie und später im Tiergarten dann ein wunderbar frischer Duft nach dem Regen, sattes Grün beruhigt das Auge. Kaninchen hoppeln über den akkurat gestutzten Rasen des Bundespräsidialamtes, lebendigen Skulpturen gleich. Die Sonne kommt kurz raus, es ist Zeit für den Rückweg.

Noch bis So, 10. August in der Akademie der Künste
Hanseatenweg 10
10557 Berlin

Di – So 11 – 19 Uhr
6/4 € (Kombiticket mit Gisèle Freund)

 

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Malerei und Fotografie in der AdK
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