Heute abend geht’s los, die Neunte Biennale eröffnet um 19:00 Uhr.
Nichts mehr mit abgewrackten, unfertigen Orten wie etwa dem ehemaligen Postfuhramt. Heute geht’s in die European School of Management, allein dieses kleine Beispiel zeigt den Wandel der Stadt vom improvisierten Unfertigen zum neoliberal geprägten Immobilienhype. Kunst geht immer, egal in welchem Umfeld. Und wenn dann sogar die Kuratoren aus New York City kommen, dem grossen, unerreichbaren Vorbild Berlins, dann herrscht hier ausser dem allgegenwärtigen Tourismus endlich mal ein wirklicher Hauch von Internationalität.

Fünf Orte werden dieses Mal bespielt. Neben den erwartbaren und bekannten wie der Akademie der Künste, den Kunstwerken auch die bereits genannte European School of Management und die private Feuerle Collection. Eine seltsam schwäbisch international klingende, der Öffentlichkeit zugängliche private Kunstsammlung in wunderschönen industriellen Räumen. Dann noch auf der Blue Star der Reederei Riedel, wo Kunst auf dem Touridampfer geboten wird. Das passt dann wieder zum gewohnten Bild Berlins. Immerhin gibt es keine mit Kunst aufgehübschte Bierbike Touren, das war den vier Kuratoren dann wohl doch zu exotisch.

Die beiden Kuratorenpaare von DIS, Lauren Boyle, Solomon Chase, Marco Roso und David Toro – auch hier perfekt alle Bereiche der sexuellen Bandbreite abgedeckt, doch dies nur am Rande – inszenieren ein Potpourri der Gegenwartskunst, wie auf einer Biennale zu erwarten.

Doch was genau hält all dies zusammen? Es gibt wirklich viel zu entdecken, vor allem auf den zweiten Blick. Etwa in den Kellern der Kunstwerke eine Fashionshow, deren Catwalk auf Wasser zu schweben scheint. Und eben nicht mit Models, sondern virtuellen characters bespielt wird. Oder direkt dahinter, wo Georg W. einsam in Sträflingsuniform im Pseudoknast sitzt und sich in Endlosschleife entschuldigt.

Es geht neben Mode und der hohen Politik natürlich auch um menschliches Leiden. Wie etwa Flüchtlinge, die wie in einem Music Clip in Szene gesetzt werden. Von Drohnenschwärmen mit GoPros umschwirrt und perfekt in Szene gesetzt. Postproduction ist essentiell diese Tage, am Besten in real time, damit die Gegenwart mit der Zukunft verschmilzt und wir nicht mehr registrieren können, ob Realität wirklich ist.

Und dies ist wohl das eigentliche Thema dieser Biennale. Was macht die allgegenwärtige digitale Aufbereitung mit uns, wie beeinflusst sie unsere Wahrnehmung? Die Erweiterung unserer Sinne und die sich daraus ergebende Abhängigkeit sind ein grosses Thema. Denn die Vereinsamung alleine vor dem Bildschirm, die indirekte Kommunikation mit nur noch gefilterten Antworten könnten auch einen Verlust darstellen.

Die Auswirkungen der Digitalisierung werden in zahlreichen Workshops und Veranstaltungen erforscht. Dass dies von New Yorkern als Thema ausgemacht wurde ist offensichtlich. Leben sie doch in einer Kultur, die sowohl in der digitalen Ökonomie als auch in der Durchdringung des Alltags durch digitale Gadgets weltweit führend ist. Die laid back Berliners haben jetzt noch bis zum 18. September Zeit, dies auf einer kulturellen Ebene zu erforschen.

3. Juni bis 18. September 2016

Akademie der Künste
Pariser Platz 4
10117 Berlin

KW Institute for Contemporary Art
Auguststraße 69
10117 Berlin

ESMT European School of Management and Technology
Schlossplatz 1
10178 Berlin

The Feuerle Collection
Hallesches Ufer 70
10963 Berlin

Blue-Star
Zweistündige Bootsfahrt
Anlegestelle Fischerinsel
Märkisches Ufer 34
10179 Berlin

 

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Digitales Nirwana bei der neunten Berlin Biennale
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