Kryptographie, die Wissenschaft der Verschlüsselung von Informationen, ist heute im Mainstream angekommen. Seit alle von permanenter Abhörung und Überwachung wissen, gewinnt auch Verschlüsselung an Bedeutung. Kombiniert mit sich selbst organisierenden Rechnern, die als eine Art Neuronen das menschliche Gehirn imitieren, klingt das alles ziemlich HighTech. Doch wir befinden uns nicht in abhörsicheren Räumen der NSA oder des BKA, sondern in einer Galerie.

0.30402944246776265. Krypto DarkNet & Künstliche Intelligenz

Seit 2007 verschreibt sich Organ Kritischer Kunst gesellschaftskritischer Kultur und fokussiert sich auf kultur- und sozialpolitische Themen. Die beiden Räume und die kleine Bar in der Prinzenstrasse im Wedding haben nichts von imposanten White Cubes, hier stehen alleine die Inhalte im Mittelpunkt. Heute ist die Installation 0.30402944246776265 von Mindaugas Gapševičius zu sehen, oder besser deren Benutzeroberfläche. Punkte symbolisieren die einzelnen Rechner, die überall verteilt sind. Auf dem Boden, auf Boards, die Keyboards davor verstreut. Und es sind keine schicken PowerMacs, sondern einfach normale Rechner, nicht die neuesten Modelle. Doch sie funktionieren, sie interagieren, und zwar auf JAVA Basis mit verschlüsselten Datenpaketen. Sobald ein Rechner die Verschlüsselung eines Pakets auf einem anderen Rechner erkennt, verbinden sich diese beiden Rechner. Ohne menschliches Zutun, ohne zuvor geschriebenes Protokoll, ohne Router und Server.

Das alles sieht ziemlich unspektakulär aus. Doch zum Glück ist Mindaugas anwesend und kann konkret erklären, was diese Präsentation, die er für seine Doktorarbeit nutzt, wirklich besonders macht. Denn hier vollziehen sich neue und vielleicht für die Zukunft sehr wichtige Dinge. Es geht um nichts weniger als die Selbstorganisation von Maschinen in einem Netzwerk. Sie formen Informationscluster, die auf Freenet basieren. Dies führt zu einem DarkNet, das im Gegensatz zum Internet keine Anbindung an außenstehende Leitungen haben muss und auf keinen Protokollen beruht. Dementsprechend ist es nicht zu lokalisieren und nicht zu knacken. Der Alptraum aller Überwachungsapparate. Zugegeben, das alles ist sehr technisch und kompliziert. Selbst Mindaugas gibt zu, nicht alles  vollständig zu verstehen. Und er arbeitet bereits seit drei Jahren an diesem Projekt. Sein Ziel ist es, künstlicher Intelligenz näher zu kommen. Bis die Maschinen von Menschen vielleicht nicht mehr dekodiert werden können?

OKK/Raum29 Gallery
Prinzenallee 29
13359 Berlin

Nächste Vernissage am 29.08. um 19:00 Uhr: Gefahrengebiet (danger zone)

 

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0.30402944246776265. Darknet im Wedding
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Ein Gedanke zu „0.30402944246776265. Darknet im Wedding

  • 28. August 2014 um 17:48
    Permalink

    von meiner seite ein dankeschön für den gelungenen artikel,
    kurz und knacking, unspektakulär, informativ

    so wie berichterstattung mal gemeint war 😉
    wir heissen dich gerne bei kommenden versanstaltung willkommen.

    grüsse aus ‚m wedding

Kommentare sind geschlossen.

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