Neukölln, Karl Marx Strasse, mitten im angesagtesten Kiez der Stadt. Hier treffen Welten aufeinander. Noch immer ist nichts homogenisiert zwischen Bioladen Usern, religiös deteminierten Mekkawerfern und Künstlern aus allen Teilen Europas. Mittendrin ein in der Modernisierung steckendes Haus, das bis Ende des Monats noch im ersten Stock von freien Kunstinitiativen genutzt wird, bevor dann auch dort die Bauarbeiter das Heft in die Hand nehmen.

Der Abend ist speziell, die renommierte Hochschule für Musik Hanns Eisler zelebriert in diesem staubigen Schuppen eine Abschlussarbeit. Oder besser, Nolundi Tschudi zeigt hier ihre Interpretation von Guiseppe Verdis Macht des Schicksals und nötigt ihre Professoren, sich hierher ins tiefste Neukölln zu begeben. Schließlich werden Noten verteilt, das ist kein Spaß, es gilt Anwesenheitspflicht.

Unten in der angenehm improvisierten Bar warten die Besucher, bevor sie nach oben in den ersten Stock gelassen werden. Dort gibt es Szenen zu entdecken, in jedem Raum andere, und alle gleichzeitig. Schauspieler monologisieren im Loop, das Publikum wandelt vorbei zum nächsten Aufmerksamkeit verlangenden Auftritt. Oder bleibt hängen, vertieft sich in den jeweiligen Vortrag, in diese avancierten Texte. Konzentration ist gefragt, gerade bei der von überall her klingenden Musikbegleitung, die von den gleichzeitig laufenden anderen Vorträgen herüber schallt. Nichts ist einmalig, alles geschieht gleichzeitig, irgendetwas verpasst man immer.

Hin und her wandern die Betrachter, fasziniert, und vielleicht auch überfordert. Bis sie im allerletzten Raum, der voller Goldglitter glitzert, auf Nolundi treffen. Ihr Spiel ist fokussiert, ihre Texte sind einfallsreich, präzise und manchmal auch absurd. Gedanken an Boris Vian kommen kurz auf, unterbrochen von tiefen abgründigen Gedanken, die dann sofort von Verdis Schicksalsmotiv überlagert werden. Eine Synthese, die perfekt in dieses für Berlin inzwischen außergewöhnliche Ambiente passt.

Musiktheaterperformance nach Motiven von Verdis Die Macht des Schicksals, sowie Texten von Frank Wedekind, Mehdi Moradpour und Nolundi Tschudi.

Schauspieler: Christian Bormann, Nico Nothnagel, Anne Schiffmann, Susanne Scholl, Nolundi Tschudi
Musiker: Leonardo Reyna, Gary Schmalzl
Video: Martin Mallon
Regie und Installation: Nolundi Tschudi

Noch am 19. März 2015, 20:00 Uhr

kms145
Karl-Marx-Strasse 145
12043 Berlin

Eintritt: 7/10 Euro // Karten an der Abendkasse

 

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Die Macht des Irrsals
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