Inzwischen haben es alle kapiert, wir merken es schon lange: Berlin wird teurer. Besonders wenn eine neue Wohnung oder ein Atelier gesucht wird, kann man ziemlich viel Zeit damit verbringen, alle Angebote zu vergleichen. Es bieten sich der Immobilienteil von Tageszeitungen oder Online Portale zum Thema an, und dennoch wird es schwierig, ein Studio unter 10 Euro pro Quadratmeter zu finden. Und diese Studios befinden sich dann nicht einmal mitten in der Stadt, nicht in Moabit, und auch nicht in Neukölln. Hier kann es leicht noch wesentlich teurer kommen. Etwa in der Kienitzer Strasse, wo in der Enklave, einer Fabriketage, Ateliers angeboten werden. Das muss früher einmal eine schöne, hohe und helle Fabriketage gewesen sein. Jetzt finden sich dort Rigipsplatten, die die einzelne Zellen voneinander unterteilen. Ohne Dämmung, weder am Boden noch zwischen den Platten. Man kann das Atmen des Nachbarn hören, Hämmern und Bohren will ich mir gar nicht vorstellen. Das alles ist ungestrichen, grau in grau, mit Neonröhren beleuchtet. Es kommen klaustrophobische Gefühle auf, doch die Künstler stehen Schlange, denn Ateliers sind rar. Eine Alternative bei der Suche ist das bbk Kulturwerk, dort findet sich ein guter Überblick über Angebote in der Stadt und es werden auch geförderte Studios angeboten. Das hat den Nachteil, das Künstler Konzepte schreiben und Nachweise beibringen müssen. Doch einige Glückliche können auf diese Weise günstigen Produktionsraum anmieten. Das ist selbstverständlich überhaupt nicht ausreichend für die vielen Künstler in der Stadt, die ja nicht alle einfach in der eigenen Wohnung arbeiten können. Schließlich macht Kunst auch Dreck, Farbe wird an Wände gespritzt, es fallen Späne falls gehobelt wird. Also geht die Suche weiter, aus der Innenstadt heraus. In Lichtenberg etwa gibt es die ID Studios, wo ziemlich unbürokratisch sofort und auch für kurze Zeiträume Flächen angemietet werden können. Zwischen 20 und 80 Quadratmetern, doch den 10er pro Quadratmeter muss man auch hier anlegen. Immerhin ist dies inklusive Nebenkosten, und Zutritt hat man 24/7. Da die Stadt immer weniger Freiräume bietet und das Produzieren für Künstler deshalb schwieriger wird, hat Tim Renner, der neue Kulturstaatssekretär, die Aufnahme von Studios in Bebauungspläne angeregt. So wie Kitas und Schulen notwenig sind, sollen auch Ateliers und Kunsträume einen festen Anteil verfügbarer Fläche erhalten. Das ist ein guter Gedanke, denn Berlin lebt von der Kunst. Oder besser, vom Image, das die Kunst der Stadt verleiht. Deshalb kommen die Touristen, und sie sind eine der wichtigsten Einnahmequellen der Stadt. Damit liegt Herr Renner fast auf einer Linie mit der Koalition der Freien Szene, dem Zusammenschluß frei produzierender Künstler in Berlin. Diese Koaltion fordert schon seit langem, dass die freie Kunst einen grösseren Etat in Berlin erhält. Doch bisher hat sich nichts getan. Auch die Kulturtaxe, die die Touristen inzwischen zahlen müssen, verschwindet im schwarzen Loch des Berliner Haushalts. Das Problem daran ist, dass Künstler ein Seismograph der Entwicklung einer Stadt sind. Werden Ateliers zu teuer, verschwinden die Künstler. Und mit ihnen die lebendige, freie Kunstszene. Touristen können sich dann nur noch die Museen und die Opern ansehen, ganz traditionell auch in die Philharmionie gehen. Doch Berlins weltweit gerühmter Charme geht dabei verloren. Empfehlen Sie Berlin Kicks weiter:

Die Studio Odyssee