Gestern am späten Nachmittag ist es immer noch ziemlich heiß. Selbst auf dem Tempelhofer Feld, das ja nach dem Volksentscheid so weit und offen bleiben kann, bewegen sich die Radfahrer und Jogger extrem langsam. Wer kann sitzt im Schatten, nur gibt es den hier kaum. Sehr passend dazu ist Reggae zu hören. Und das sogar live, denn neben einem wie vom Himmel gefallenen Gebäude spielt eine Band.

Diese nennt sich Antinational Embassy, die Musiker sind Flüchtlinge und wohnen in der besetzten Gerhard-Hauptmann-Schule in Kreuzberg. Und das Gebäude ist doch kein Ufo, auch wenn es kreisrund ist und ein transparentes Dach vorweisen kann. Es gibt 28 Türen, durch die Neugierige ins Innere gelangen. Jede einzelne Tür symbolisiert einen der EU-Staaten, die sich gemeinsam mittels immer schärferer Gesetze weitgehend von der Außenwelt abschotten und Immigration mit ihrer Polizeitruppe Frontex möglichst zu verhindern versuchen.

Immer wieder sterben deshalb Flüchtlinge auf hoher See, jeden Tag. Diese Realität bekommt der Europäer nur mit, falls es doch einmal viele Flüchtlinge bis etwa nach Lampedusa schaffen oder in Melilla und Ceuta, den spanischen Festungen in Nordafrika, Menschen mit Gummigeschossen von der Guardia Civil erschossen werden. Dabei ist eigentlich klar, dass es weltweit immer mehr Flüchtlinge gibt. Kriege, Hunger, Verfolgung vertreiben jedes Jahr mehr Menschen aus ihrer Heimat, die niemand freiwillig und schon gar nicht gerne verlässt. Doch in Europa wird das Thema weitgehend totgeschwiegen, falls Flüchtlinge sich nicht wie zuletzt in Kreuzberg gegen Lager, Residenzpflicht und Abschiebung wehren.

Bereits vor über zwei Jahren wurde das Projekt Haus der 28 Türen entwickelt, erzählt Katharina Koch, eine der drei Kuratorinnen. Jetzt wurde sehr kurzfristig aus Mitteln der Lottostiftung doch noch die Finanzierung ermöglicht. Damit wurde das aus Holz gebaute Haus errichtet sowie die Anmietung von drei Screens und Zuspielern ermöglicht. Auf diesen kommen in Videoloops Flüchtlinge selbst zu Wort, was ja wirklich selten vorkommt. Realisiert wurde diese Präsentation von der Bewegung Nurr.

In den folgenden zwei Wochen findet jeden Tag eine Veranstaltung zum Thema Flüchtlinge statt, die nächste am Montag, den 28. Juli. Um 19 Uhr werden Dr. Tankred Stöbe, Präsident von Ärzte ohne Grenzen und Dr. Ulrike von Pilar, Leiterin Humanitäre Fragen Büro Berlin, zum Thema Flüchtlingslager als Falle? Das Dilemma der Humanitären Hilfe sprechen.

Doch was anschliessend aus dem Haus der 28 Türen wird, steht leider in den Sternen. Wünschenswert wäre natürlich, dass es auf Reisen geht und etwa nach den zwei Wochen vor dem Reichstag aufgebaut wird. Doch die sehr kurzfristige Realisierung verhindert natürlich entsprechende Absprachen mit anderen Institutionen oder Orten, außerdem ist für einen Ab- und anschliessenden Wiederaufbau kein Geld vorhanden. Es ist zu hoffen, dass sich trotzdem eine Möglichkeit zur Fortsetzung dieses im besten Sinne aufklärerischen Projektes ergibt.

BEWEGUNG NURR
DAS HAUS DER 28 TÜREN
Noch bis zum 10. August 2014
Tempelhofer Feld
Haupteingang Oderstrasse, Berlin-Neukölln

 

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