Berlin abseits der Innenstadt ist doch immer wieder für Überraschungen gut. In Britz etwa, an der Blaschkoallee gelegen, erhebt sich ein außergewöhnliches, sehr farbenfrohes Gebäude. Das Dach zieren unzählige, in allen Pastelltönen gehaltene Figuren. Man wähnt sich plötzlich in Indien, trotz der für Berliner Verhältnisse extrem aufgeräumten Nachbarschaft. Das Tor zum Sri Mayurapathy Murugan Tempel steht offen, der religiöse Mittelpunkt speziell für die hier lebenden südindischen und ceylonesischen Hindus kann ohne Probleme einfach betreten werden.

Die Schuhe müssen draußen bleiben, und wir werden freundlich und ohne großes Aufhebens begrüßt. Es findet gerade eine Zeremonie statt, bei der Kokosnüsse, Bananen und andere Nahrungsmittel rituell gereinigt werden. Oder zumindest wirkt es so. Glöckchen bimmeln, Räucherstäbchen duften. Die Gottesfigur in einem der fünf Schreine wird gerade mit Curry eingerieben, danach mit Wasser ausgiebig gewaschen. Frauen und Männer sitzen, stehen oder laufen zwanglos umher. Eine entspannte Atmosphäre, ohne strenges Ritual wie beispielsweise bei den Katholiken.

Hier läuft gerade wie jeden Tag seit dem 01. August die Vorbereitung zum hinduistischen Wagenfest oder auch Tempelfest Theer Thiruvila, das seinen Höhepunkt am 24. August hat. Dann wird die Statue des Gottes Murugan in einer Prozession um den Tempel getragen werden. Alle sind hier gerne gesehen, egal welcher Religion sie angehören. Auch Atheisten können den Tempel betreten, Stille und Toleranz ist die Botschaft an Alle. Jeder kann zum Meditieren vorbeikommen.

Draußen, im um die Ecke gelegenen Park, ist noch eine weitere Überraschung zu sehen. Der Kinderspielplatz, weitläufig und noch nicht ganz fertig gebaut, wartet mit einem außergewöhnlichen Aufbau auf. Klaus Kinskis riesengroßer Kopf, fahl und weiß, genau wie in Nosferatu – Phantom der Nacht, krönt ein großes Klettergerüst mit Rutsche. Die Kids haben den Film sicher noch nie gesehen, und wenn würde es sie sicher nicht beim Spielen beeinflussen.

Außerdem gibt es einen Miniatur-Alexanderplatz, scheinbar kommen nicht alle einfach so mal nach Mitte, um das Original aus der Nähe zu sehen. In Britz scheint es unkonventionelle Stadtplaner und entspannte Bürokraten zu geben. Das gibt Hoffnung in dieser besonders in der Innenstadt immer regulierter und langweiliger werdenden Stadt.

Hinduistisches Wagenfest am 24. August ab 12 Uhr
Blaschkoallee 48
12347 Berlin

 

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Hinduistisches Wagenfest
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