Mexico hat ein Imageproblem. Oder genauer gesagt, viel mehr als ein Imageproblem. Es ist schlicht eines der gefährlichsten Länder der Welt, und dabei befindet es sich nicht einmal offziell im Krieg. Von der grassierenden Korruption dort gar nicht erst zu sprechen. Doch jetzt, genauer gesagt heute Mittag, hat Präsident Enrique Peña Nieto endlich einmal ein Thema, das mit all dem nichts zu tun hat. Er weiht gemeinsam mit Bundespräsident Joachim Gauck die Ausstellung Die Maya – Sprache der Schönheit im Gropius Bau ein. Damit verbindet sich Geschichte, Kultur und Kunst ausgezeichnet mit Tourismus und Marketing. Nicht das Schlechteste für ein gebeuteltes Land wie Mexico.

Diese Ausstellung ist aussergewöhnlich, denn sie zeigt in Kooperation mit dem Instituto Nacional de Antropología e Historia auch erst vor kurzem gefundene Artefakte erstmals in Europa. So werden erstmal Fragmente von Textilien aus den heiligen Cenotes von Chichén Itzá gezeigt. Nach fast vier Jahren Verhandlung und Vorbereitung konzentriert sich die Schau im ersten Stock des Gropius Baus vor allem auf die klassische Periode der Maya von 500 bis 1500 nach Christus, also bis zu dem Zeitpunkt, als die ersten Spanier nach Yucatán kamen und das Ende der Maya Herrschaft besiegelten.

Dies heisst nicht, dass die Maya damit vom Erdboden verschwunden wären. Ganz im Gegenteil, aktuell erlebt ihre Kultur einen Aufschwung und sogar etwas Anerkennung. Ein Drittel der Bevölkerung in Yucatán spricht einen der Mayadialekte. In den Schulen und Universitäten der Halbinsel ist Maya als offizielle Sprache wieder anerkannt. Und die Geschichte der Maya, die die besterforschte aller Kulturen in Mexico ist, lockt mit den 16 öffentlich zugänglichen Tempeln weltweit Touristen an. Es gibt weitere 3000 Ausgrabungsstätten, die noch nicht für das Publikum offen sind. Und die den Mayas heiligen Cenotes, unterirdische Gewässer auf der gesamten Halbinsel, werden inzwischen ebenfalls ausgiebig erforscht.

Das seit diesem Jahr neu entstandene Kulturministerium in Mexico kann also stolz auf diese Ausstellung im wichtigsten, da ökonomisch potentesten Land Europas verweisen. Nur in Berlin ist diese Maya Ausstellung zu sehen, sie geht nicht auf Wanderschaft. Im Gegenzug wird in Monterrey und México D.F. eine Otto Dix Ausstellung zu sehen sein. Das duale Jahr Deutschland – Mexico wartet also mit Hochkarätern auf, und dabei sind im Gropius Bau die imposanten architektonischen Bauten der Maya nicht einmal Teil der Ausstellung. Diese konzentriert sich ausschliesslich auf den Körper und seine Darstellung. Und hier ist das Pantheon der Maya extrem komplex, da es sich in unseren europäischen Augen permanent wiederspricht. Dabei ist dies eigentlich Dialektik pur, denn die Figuren können zugleich männlich und weiblich, tierisch und menschlich, schöpferisch und zerstörerisch sein.

Die Philosophie der Maya ist uns fremd, und dabei waren sie uns weit voraus. Etwa in der Bemalung ihrer Körper, den Tattoos und Piercings, die in unserem Kulturkreis erst seit kurzem wieder in Mode kommen. Bei der Mathematik, wo sie bereits die Null – eine runde Muschel – kannten; oder der Astronomie, was zu ihrem kompliziertem und äusserst präzisen Kalender führte, der Sonnen- und Mondfinsternisse exakt voraussagte. Genug Gründe also, sich diese Ausstellung anzusehen. Und vielleicht wirklich die Originalschauplätze in Mexico zu besuchen, denn dieses Land ist aussergewöhnlich und keineswegs auf Gewalt und Korruption zu reduzieren.

Vom 12. April bis 7. August 2016

Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstraße 7
10963 Berlin

 

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Die Maya – Sprache der Schönheit und des Tourismus
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