Es ist dunkel, zwei Monitore flimmern. Vögel zwitschern, Verkehrslärm dringt herein. Langsam ist eine Person zu erahnen, die sich aus der Dunkelheit schält. Eine Frau, die wirkt, als komme sie gerade zu sich. Ganz langsam, unter Schmerzen, windet sie sich nur halb bekleidet und kommt langsam auf die Beine. Im Hintergrund, vom Tisch gefallen, dort ist noch jemand. Ein Mann. Weit von ihr entfernt in diesem riesigen, hohen Raum, auch er fast unbekleidet. Beide wirken zerstört, jeder für sich alleine mit seiner Realität.

Sie finden zwar zueinander, sehen sich dabei jedoch kaum an. Wissen jeder für sich, was gestern war. Doch es ist nicht klar, ob sie eine gemeinsame Erinnerung an diese letzte Nacht haben. Ausdrucksstark, jede einzelne Bewegung konzentriert zelebrierend, kommen beide langsam in diesem neuen Tag an. Jeder für sich, beide gemeinsam. In einem Raum, ab und zu sich miteinander bewegend. Oder auch den Anderen als Verstärkung der eigenen Bewegung nutzend.

Der Tanz der Beiden wird schneller, bis hin zu absolut perfekt ablaufenden, synchronen Schritten. Doch beide bleiben dennoch distanziert. Der Sound, aus klassischen Elementen, Soundschnipseln und Elektronik aufgebaut, bringt diese intensive Stimmung auf den Punkt. Varianten und Rhythmuswechsel ohne Ende, sowohl beim Tanz als auch in der Musik. Diese abrupten Übergänge bringen jede gerade vertraut gewordene Variante sofort wieder zum Einsturz. Ob beim Frühstück, das fast zum Slapstick verkommt, bei kurzen erotischen Andeutungen bis hin zu seinem Abschied. Denn es ist ihr Ort, zu dem sich beide gestern geflüchtet hatten.

Margaux Marielle-Tréhouart und Elik Niv, der mit Constanza Macras und wie seine Partnerin auch mit Sasha Waltz arbeitet, bringen in diesem dichten, intensiven und ungeheuer faszinierendem Stück die Beweg- und Abgründe menschlichen Verlangens, Nicht-Verstehens und letztendlicher individueller Isolation auf den Punkt. Das Stück ist noch bis zum 3. August jeweils um 20:30 im Dock 11 in der Kastanienallee zu sehen.

Von und mit: Margaux Marielle-Trehouart, Elik Niv
Dramaturgie und Produktionsassistenz: Katharina Lüdin

Tickets: 10.- Euro / 8.- Euro erm.

 

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