Die drei Tänzer Xenia Alexandrou, Matina Kokolaki und Andrea Dorian Rama, alle aus Athen, kennen sich seit 2007 und arbeiten bereits seit 2010 zusammen. Am Freitag hat Ihr Stück Zeno und Nero in Berlin im Dock 11 Premiere, nachdem bereits letzten Januar im ZKM in Karlsruhe Fragmente davon im Rahmen von Sasha Waltz´s New Choreographers Session gezeigt wurden. Berlin Kicks hatte Gelegenheit, die drei zu einem ausführlichen Gespräch zu treffen.

„Wie zeigt man das Leben und den Körper und bringt dies auf die Bühne.“

Das Stück dreht sich um zwei Politiker, eben Zeno und Nero. Ein Mann und eine Frau. Es könnte ein hypothetisches Lehrstück sein, bei dem es darum geht, wie man sich am besten lächerlich macht. Trotz völlig unterschiedlicher Erfahrungen, denn beim Tanz steht natürlich Anderes im Vordergrund als in der Politik. Dennoch gibt es auch zwischen diesen beiden Feldern Gemeinsamkeiten. Etwa mit wenig Bewegung möglichst viel zum Ausdruck zu bringen. Ein Politiker bewegt sich für das Fernsehen, also reduziert, mit kleinen Gesten. In nur zwei Dimensionen also. Dies kann auch beim Tanz ein wesentliches Element sein, und es ist ziemlich einfach.

Porson´s Khashoggi. Proben im Dock11

Matina: Es geht um den Fluss zwischen dem Körper und dem Geist, dem Verstand. Ein kompliziertes Geflecht, wenn man herausfinden will, was die andere Person empfindet und denkt. Voraussetzung dafür ist ein neutraler Ort, bei dem alle negativen Einflüsse ausgeschlossen sind. Das ist das Ideal. Und deshalb ist jede Show verschieden, denn das Ideal kann nur annähernd erreicht werden. Die Voraussetzungen sind immer leicht verschoben, niemals völlig perfekt.

Wir arbeiten nicht mit großen Ideen. Wir gehen von Details aus, kleinen Vorkommnissen. Das ist die Grundlage, und daraus entwickeln wir alles Weitere. Die Initiative dabei kommt von jedem von uns, es gibt keine Hierarchie oder festgelegten Arbeitsbereiche. Niemand von uns ist ausschließlich Tänzer oder ausschließlich Choreograph.

Xenia: Doch wenn Du arbeitest, egal auf welcher Ebene, erreichst Du auch ein Resultat. Priorität dabei hat immer das Stück, erst danach geht es um die konkreten Umstände und Bedingungen der Produktion. Und das Resultat verändert sich ständig, wird immer besser, konkreter, ohne dabei von einem vorgegebenen Ziel beeinflusst zu sein.

Porson´s Khashoggi. Proben im Dock11

Die Verantwortung bei nur zwei Tänzern auf der Bühne ist selbstverständlich wesentlich höher als in einer größeren Gruppe, wo es immer sofort auch um Hierarchien geht. Dort kann sich jemand beispielsweise verstecken, wenn er mal keinen so guten Tag hat. Das ist bei nur zwei Tänzern einfach unmöglich. Es gibt auch keinen Boss, der dir sagt wie es aussehen muss, was Schönheit ist. Wir entwickeln diese Schönheit gemeinsam, das ist ein stetiger Prozess.

Da Bewegung ziemlich abstrakt ist, gibt es für uns keinen Erzählstrang als Basis. Alles hängt allein von der Qualität der Bewegung im Raum ab. Und deshalb gibt es auch keine perfekten Übereinstimmungen zwischen zwei Tänzern, keine absolute Synchronizität, denn Menschen sind nun einmal verschieden. Das führt uns zur Illusion, bei der es darum geht, mit wenig Aufwand das maximale Resultat zu erreichen. Die Illusion beim Tanz besteht darin, auf verschiedenen Ebenen gleichzeitig zu spielen.

Andrea: Politik ist dabei die größte Illusion von allen, es ist wie bei einem Magier. Alle wissen, dass ein Trick dabei ist. Doch das Publikum wartet geduldig darauf, beschissen zu werden. Wir wollen aber niemanden bescheißen. Wir wissen, dass ein System immer von innen heraus zu zerfallen beginnt. Nicht durch äußere Einflüsse. Deshalb benötigt das Publikum, das im Verhältnis zum Stück erst einmal außen ist, auch keine besondere Vorbereitung. Lediglich Offenheit und Konzentration.

Dies sind klare Ansagen. Und sie lassen einen sehr spannenden, interessanten Abend erwarten. Jeder sollte also nicht nur am kommenden Freitag im Dock 11 in der Kastanienallee möglichst offen und sehr aufmerksam sein.

Compagnie: Porson‘s Khashoggi
Choreographie: Xenia Alexandrou, Andrea Dorian Rama
Tänzer: Matina Kokolaki, Andrea Dorian Rama
Musik: Momus

Spieltermine im DOCK 11:
Vorstellungen 21., 22., 23. und 24.08.2014, jeweils 20.30 Uhr
Tickets: 10.- Euro

 

Empfehlen Sie Berlin Kicks:

Premiere von Porson´s Khashoggi im Dock 11
Facebooktwittergoogle_pluslinkedinmailFacebooktwittergoogle_pluslinkedinmail
Follow

Get every new post on this blog delivered to your Inbox.

Join other followers: