Ferienzeit in Berlin, was zwar nicht die Einstellung jeglichen künstlerischen Programms bedeutet. Doch es ist definitiv ruhiger im Sommer, viele Institutionen haben geschlossen. Doch dieses Jahr bietet der August etwas völlig Neues, nämlich das Project Space Festival. Auf Initiative des in der Kurfürstenstraße in Schöneberg angesiedelten insitu werden 30 sehr unterschiedliche Projekträume an jedem Tag des Monats ein sehr heterogenes Programm zeigen. Dabei geht es auch darum, was ein Projektraum überhaupt ist.

Den Auftakt gestaltete gestern Abend Import Projects, ein in der ersten Etage eines herrschaftlichen Altbaus beheimateter Projektraum. Hohe Decken, weiße Wände; sehr aufgeräumt ist der erste Eindruck. Die ersten beiden Räume völlig leer, doch im dritten Raum haben sich bereits etwa 100 sommerlich gekleidete junge Menschen vor einem Videostandbild versammelt. Denn die Vorführung von Gonda, eines neue Erzählstrukturen auslotenden Films von Ursula Mayer, wird gleich beginnen. Es ist heiß, doch das internationale Publikum ist hochkonzentriert.

Ausschnitt aus GONDA von Ursula Mayer

Im Film geht es um die Limits des Mediums Film, der beim ersten Sehen als experimenteller Fashion Film mit Feature Elementen abgetan werden könnte. Frequenzen und Dialoge mischen sich auf akustischer Ebene genauso wie Interferenzen und Gesten auf der visuellen. Gonda, teilweise auf dem Vulkan Ätna gedreht, verhandelt die Wahlmöglichkeiten des Individuums. Und dies sowohl auf der sexuellen Ebene, was schon bei der Besetzung des Transgender Models Valentijn de Hingh mit der im Vordergrund stehenden Rolle – Hauptrolle wird diesem mit experimentellen Versatzstücken spielenden Film keineswegs gerecht – als auch auf philosophischer Ebene.

Wahlmöglichkeiten eben, ein immer wiederkehrendes Thema zumindest in den Konsumgesellschaften des Westens. Im Anschluss stand die Regisseurin Ursula Meyer ausführlich zu einem Gespräch, selbstverständlich auf englisch, Rede und Antwort. Die Aktualität des 2012 realisierten Films mit seinen aufgeworfenen Fragen und scheinbaren Antworten wurde dabei noch einmal besonders deutlich.

Das Programm des Festivals ist breit angelegt und entsprechend variabel, genau wie seine über die gesamte Innenstadt bis hin nach Dahlem verteilten Räume. Das Konzept des Projektraums, das von seinen jeweiligen Machern mit ihren jeweils ganz eigenen Ideen definiert wird, ist Ende des Monats in seiner ganzen Vielfalt sicher ein wenig klarer. Und die Projekträume werden untereinander auf jeden Fall besser vernetzt und, so ist es zumindest zu wünschen, auch einem breiteren Publikum besser bekannt und zugänglich sein.

Project Space Festival: Programm bis 31. August

 

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Project Space Festival: 30 Räume im August
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