In der ehemaligen Kindl Brauerei in Neukölln war gestern Abend die Hölle los. Unterschiedlichst gekleidete Menschen drängten durch den schmalen Eingang in die denkmalgeschützte Kesselhalle mit ihrer über 20 Meter hohen Decke, schicke Anzüge und High Heels waren genauso zu sehen wir verlebter Künstlerlook und Hipster Gehabe. Das deutsch-schweizerische Ehepaar Burkhard Varnholt und Salome Grisard konnte endlich Teile der seit 2005 stillgelegten ehemalige Brauerei eröffnen, und das Opening geriet wirklich spektakulär.

Der ebenfalls aus der Schweiz stammende Kurator Andreas Fiedler, der sich um das künstlerische Programm des neuen Kulturzentrums im ehemaligen Schmuddelbezirk kümmert, präsentierte Kitfox Experimental des Schweizer Künstlers Roman Signer. Sein gelbrotes, flugfähiges und zugelassenes Flugzeug scheint von der hohen Decke des weiss gekachelten und wie eine Kathedrale wirkenden Raumes zu stürzen. Die Skulptur passt perfekt in genau diesen Raum.

Für Fiedler ist Roman Signer einer der „interessantesten Bildhauer der Gegenwart, da sein Werk den traditionellen Skulpturbegriff sprengt“. Angetrieben von zwei großen und ziemlich lauten Ventilatoren dreht sich das Flugzeug über den Köpfen der Smalltalk betreibenden und Drinks schlürfenden Menge langsam um die eigene Achse. Es stürzt nicht ab, sondern dreht sich stetig. Es ist also davon auszugehen, dass hier keine Anspielung auf das Berliner Flughafendesaster vorgenommen wird, wo ja scheinbar gar nichts mehr geschieht.

Doch auch in der Kindl Brauerei flutscht nicht alles wie erwartet. Denn eigentlich sollte gestern auch der 7-geschossige Turm und das 3-geschossige Maschinenhaus eröffnet werden, doch dies wird sich noch etwas hinauszögern. Das Maschinenhaus, das 1200 qm Fläche aufweist, soll für monografische und thematische Ausstellungen genutzt werden, im Turm werden Ateliers für Artists in Residency entstehen.

Allein das spektakuläre, mit sechs riesigen kupfernen Pfannen ausgestattete Sudhaus war gestern bereits zu betreten. Hier wird sich ein Caterer um die Gäste aus aller Welt kümmern, im Café werden allerdings keine schweizerischen Spezialitäten angeboten werden.

Auch wie weit Kunst inzwischen Pop geworden ist wurde gestern bei einem kurzen Intermezzo sehr schön herausgearbeitet. Ein weisser Anzug mit Sonnenbrille und Megaphon, von Bodyguards in schwarzen Anzügen und Sonnenbrillen abgeschirmt, schwebte in der Kesselhalle ein und erregte Fotografen und Publikum. New York Style Celebrity Flair in Neukölln! Nur wer war der Mann, der sich so gekonnt und souverän inszenierte? Postkarten mit Micky Klose tauchten plötzlich auf, doch wer danach googlet wird auch nicht schlauer.



 

Roman Signer: Kitfox Experimental noch bis 28. Juni 2015

KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst
Am Sudhaus 2
12053 Berlin

 

Bitte empfehlen Sie Berlin Kicks:

Drei Schweizer in Neukölln
Facebooktwittergoogle_pluslinkedinmailFacebooktwittergoogle_pluslinkedinmail
Follow

Get every new post on this blog delivered to your Inbox.

Join other followers: