Charlottograd, ganz am Ende der Mommsenstraße, Galeriezone. Hier, bei Michael Schultz, wird also das seit 1997 alljährlich stattfindende Fusion Festival in den Olymp der Kunst erhoben. Das Künstlerpaar Römer + Römer besuchte drei aufeinander folgende Sommer lang den ehemaligen sowjetischen Militärflughafen in Lärz, MeckPomm. Dort spiegelt das „größte Ferienlager der Republik“, das Fusion Festival ФУЗИОН, unter dem Motto „vier Tage Ferienkommunismus“ die Sehnsucht nach einer besseren Welt.

Die Fusion vereint elektronische Beats mit Live Konzerten, hier treffen Theater und Performances auf Radiocollagen und Chill Out Areas. Individueller Hedonismus passt ganz ausgezeichnet zu kollektiver Begeisterung, genau wie Drogen zu Yoga. Es gibt keine Werbung für dieses Festival, kein Sponsoring, die verfügbaren 60.000 Tickets sind trotzdem innerhalb weniger Minuten online verkauft. Genau hier fotografierten Torsten und Nina Römer, beide Meisterschüler von A. R. Penck, den zeitlich und örtlich begrenzten, den temporären Ausnahmezustand. Sie bearbeiten geeignete Ausschnitte ihrer Fotos am Rechner, sie photoshoppen, cut uppen, wenden das Prinzip der Fusion auf ihre Kunst an. Bis geeignete Vorlagen für ihre Ölgemälde entstehen, die nun an den Wänden der Galerie hängen.

Es sind teils ungewöhnliche Formate, schmal und lang oder extrem breit. Von weitem ist das jeweilige Motiv, die Party oder der berühmt berüchtigte ShowerTower der Fusion, schon zu erkennen. Doch nah, ganz nah vor dem Bild erinnert das Detail an Impressionismus des letzten Jahrtausends oder, um es im Jargon dieser unserer Zeit zu sagen, es ist einfach grob verpixelt. Digital meets Handwerk, Tradition trifft auf Moderne. Verschiedenste Produktionsprozesse greifen ineinander, verschmelzen, transformieren sich, bis dann doch das letztendlich traditionell mit Öl auf Leinwand aufgetragene Kunstwerk entsteht. Illusion auf realer Grundlage, geträumte Wirklichkeit, in der nicht der bereits vergangene, der gestrige Moment, sondern ausschließlich das Hier und Heute, das präsente Jetzt zählt.

Noch bis 14. November 2015

Galerie Michael Schultz
Mommsenstraße 34

10629 Berlin


 

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