Gestern gab es im Babylon Mitte eine Sondervorführung eines außergewöhnlichen Filmprojektes. In 9 Kurzfilmen behandelt Words With Gods das Thema der Religion in verschiedenen Kulturen. Das Konzept von Guillermo Arriaga, von Mario Vargas Llosa kuratiert und mit Musik von Peter Gabriel, ließ interessante Einblicke in Spiritualität, Glaube, das Verhältnis des Menschen zu sich selbst und zur Natur, erwarten. Und vielleicht sogar etwas wie Erleuchtung. Oder zumindest eine Ahnung dessen, was dies sein könnte.

Der Film beginnt mit True Gods von Warwick Thornton und spielt in den Northern Territories von Australien. Eine Frau lässt alle Insignen der Zivilisation zurück. Ihr Auto, ihre High Heels und ihr Armreif sind dort draussen überflüssig. Alles dies wird zurückgelassen, sie behält nur eine Wasserflasche aus Plastik, das zum Überleben absolut notwendige. Dann bringt sie alleine Ihr Kind zur Welt, in Verbindung zur sie umgebenden Natur. Sie zerbeisst die Nabelschnur und bringt ihr Neugeborenes aus der Wüste zurück.

Der Film God Room von Mira Nair aus Indien spielt mit Klischees und ist zu Beginn komisch mit einem bitteren Beiklang: „Der Nachteil der Neubau Apartments ist, dass man immer erst durch die Slums muss um dorthin zu kommen.“ Doch dann werden die Familien Klischees überdreht, zu lange geht es um ziemlich vorhersehbare Reaktionen. Nur der kleine Junge spürt die Anwesenheit des Göttlichen. Das unbefleckte Kind sieht, erkennt und folgt Krishna zum Fluss. Auch hier ist wieder die Natur ein essentieller Teil der Religion, sogar in einer riesigen Stadt wir Mumbai.

Der Film zum Islam von Bahman Ghobadi, Sometimes Look Up, ist überraschend und modern. Zwei Brüder, siamesische Zwillinge, befragen den Mullah auf dem Friedhof, ob sie eine Frau treffen dürfen. Der Sohn des Mullah recherchiert dazu bei google und facebook. Antworten findet er dort nicht. Erst in der Moschee erhalten die beiden Brüder einen leise geflüsterten Tip…Glaubensfragen sind hier beinahe schon Slapstick.

Der israelische Film von Amos Gitai dagegen, The Book of Amos, ist eine auf Film gebannte Performance. Ein Chor singt. Wort um Wort wird aus alten Texten rezitiert. Es ist nicht ersichtlich, was diese Worte aussagen sollen, sie bleiben absolut sinnlos. Genau wie die sie umgebende Realität von Gewalt: Hektik, Soldaten und Schüsse. Ein absolut überzeugendes Bild des Judentums und seines Staates Israel.

Der überzeugendste und überraschendste Film ist mit Abstand The Confession von Álex de la Iglesia. Er spielt mit Klischees, führt diese ad absurdum und setzt sich auf erfrischende Weise mit dem Katholizismus auseinander. Mehr verrate ich nicht, die Pointe ginge ansonsten verloren.

Leider waren nicht alle der 9 Beiträge überzeugend, besonders Our Life von Emir Kusturicas war doch eine Enttäuschung. Zwar zeigt der Film überwältigende Landschaftsaufnahmen, doch die Motive der Hauptperson erschliessen sich überhaupt nicht. Wieso schleppt ein Mann 2 Rucksäcke voller Steine auf einen Berggipfel und kippt die Steine dort oben aus? Langatmig und ohne Spannung, mit schwer erträglicher theatralischer Musik inszeniert Kusturica seinen Beitrag zum orthodoxen Glauben. Nun ja.

Etwas ärgerlich auch der platte Beitrag von Guillermo Arriaga zum Thema Atheismus, der in Mexiko spielt. In God´s Blood arbeitet der Sohn im Regenwald und trägt dazu bei, die Natur zu zerstören. Sein Vater glaubt am Ende seines Lebens dann doch an Gott, der müde sei und sterben wolle. Er prophezeit kurz vor seinem Freitod, es werde das Blut Gottes regnen. Dann erschiesst er sich. Natürlich regnet es dann Blut, die Special Effects Abteilung hatte gut zu tun. Der Film kritisiert impliziert die Philosophie des Atheismus und hebt sich damit von den anderen Kurzfilmen ab, die ihre jeweils behandelte Religion nicht in Frage stellen. Doch hier richtet sich der Mensch als Ausdruck der höchsten Macht selbst hin und zerstört seine Lebensgrundlage.

Dann folgt ein extrem langer Abspann, kein Wunder bei 9 Kurzfilmen. Und die Erleuchtung ist natürlich nicht eingetreten. Aber das war auch kaum zu erwarten.

 

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